Oldenburg, den 01.04.2026
für die nächsten Sitzungen des Kulturausschusses (21.04.2026), des Verwaltungsausschusses (01.06.2026) und des Rates (01.06.2026) bitten wir, den Tagesordnungspunkt
„Endphaseverbrechen in Oldenburg: Die Ermordung von mindestens vier Deserteuren an der Ecke Cloppenburger Straße/Bremer Straße und an anderen Orten in Oldenburg um den 25. April 1945“ zu behandeln.
Dazu stellen wir folgenden Antrag:
Die Verwaltung wird aufgefordert, ein historisches Gutachten in Auftrag zu geben, um die furchtbaren Ereignisse aus dem April 1945 aufzuarbeiten. Ein primäres Ziel soll darin bestehen, eine Basis zu schaffen, die Bürgerinnen und Bürger angemessen über die Ereignisse informieren zu können und um eine Grundlage für ein würdiges Gedenken zu schaffen. Weitere Ziele sollten darin bestehen, die bislang nicht identifizierten Opfer zu identifizieren sowie die Verantwortlichkeiten (Täter) für diese Untaten herauszuarbeiten.
Begründung:
„In den letzten Apriltagen des Jahres 1945 wurden in Oldenburg entlang der Cloppenburger Straße mehrere deutsche Soldaten als ‚Deserteure‘ und ‚Feiglinge‘ aufgehängt. Zur Abschreckung anderer kriegsmüder Soldaten und Zivilisten blieben die Opfer dieser NS-Endphaseverbrechen längere Zeit an Laternenpfählen und Strommasten hängen.“
Diese Verbrechen werden auch mit den am 20. Februar 1945 auf Befehl des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, eingerichteten „Sonderstandgerichten zur Bekämpfung von Auflösungserscheinungen“ in Verbindung gebracht. Ein solches „Gericht“ soll sich im April 1945 in Oldenburg-Bümmerstede befunden haben.
Weitere Morde dieser Art hat es wohl auch in Sandkrug und Tungeln gegeben. Die in Oldenburg Ermordeten wurden 1967 exhumiert; bei zwei der mindestens vier Mordopfer konnte die Identität festgestellt werden.
Von Oldenburger NS-Funktionären und einigen Wehrmachtsangehörigen, die sich zu dieser Zeit in Oldenburg befanden, sind verschiedene Aussagen überliefert, die überwiegend im Zuge von Entnazifizierungsverfahren gemacht wurden. Weitere Quellen sind Überlieferungen von Anwohnern sowie zufällig anwesenden Zeuginnen und Zeugen, zum Beispiel aus Tagebüchern.
Diese Informationen wurden von Hans-Peter Klausch im Oldenburger Jahrbuch 2015 aufgearbeitet: Oldenburger NS-Endphaseverbrechen – die Erhängungen an der Cloppenburger Straße im April 1945. Dort finden sich zahlreiche Quellen und Anknüpfungspunkte für weitere Forschungen. Möglicherweise lassen sich mit neuen Methoden und technischen Möglichkeiten zusätzliche Erkenntnisse gewinnen.
Mit freundlichen Grüßen
Für die SPD-Fraktion
Tom Schröder, Dr. Holger Onken
Ulf Prange BSW-Ratsherr und Fraktionsvorsitzender ,
Bettina Unruh
und Claudia Oeljeschläger
